Hallo,
in Gesprächen mit anderen Menschen wird natürlich in erster Linie auf das gesprochene Wort geachtet, der Inhalt aufgenommen, verarbeitet und bewertet - das glauben zumindest viele Menschen, ist aber grundlegend falsch. Das Bewusstsein nimmt zwar das gesprochene Wort wahr, aber das Unterbewusstsein bewertet viel mehr die Stimmlage, die Sprechgeschwindigkeit, den Tonfall, den Klang und die Lautstärke. Es könnte Blindtext gesprochen werden, dennoch würde das Hirn eine Bewertung vornehmen. Und nicht zu vergessen: Die Wertung des Gesichtsausdruckes.
©CFalk/pixelio.deIm Dschungel NeuguineasEiner der weltweit angesehensten und bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet ist der US-amerikanische Anthropologe und Psychologe Paul Ekman, der besonders für seine Forschung zur nonverbalen Kommunikation bekannt wurde.
Den entscheidenden Wendepunkt in seiner Karriere brachte das Jahr 1966. Ekman beschloss, in die nasskalten Urwälder von Papua-Neuguinea aufzubrechen. Zu jener Zeit war er Wissenschaftler an der University of California in San Francisco. „Ich hatte viel mit depressiven Menschen gearbeitet. Doch wenn man den Kranken helfen möchte, muss man erst die Gesunden verstehen“, begründet Ekman seinen Antrieb, fernab von jeglicher Zivilisation eine grundlegende Frage zu klären: Ist die menschliche Mimik angeboren und somit universell? Oder ist sie von Kultur und Umwelt beeinflusst?
„Meine Kollegen dachten, ich sei verrückt und mein Ansatz lachhaft“, erinnert sich der Forscher. Gängige Lehrmeinung war damals, dass Gesichtsausdrücke kulturell geprägt sind. Ekman war anderer Meinung. Bereits ein paar Jahre zuvor hatte er den halben Globus bereist, mit Fotos im Gepäck. Die Aufnahmen zeigten Gesichter von Menschen, die die von Ekman postulierten sieben Grundemotionen ausdrückten: Freude, Zorn, Angst, Überraschung, Trauer, Ekel und Verachtung. Alle bis dato Befragten hatten die gezeigten Emotionen gleich bewertet. Doch bedeutete ein trauriges Gesicht auch „Trauer“ bei einem von westlichen Einflüssen abgeschotteten Urvolk?
Ekman testete das mit einer einfachen Methode. „Ich bat die Eingeborenen, auf das Foto zu zeigen, das jemanden darstellt, dessen Kind gerade gestorben ist. Oder mir denjenigen zu zeigen, der ein verwestes Wildschwein sieht“, erklärt er. Jedes Mal erhielt er die gleiche Antwort. Es war, als hätte er jemanden aus seiner Heimat befragt. Paul Ekman bewies damit, was Charles Darwin bereits 1872 in seinem Buch „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei den Menschen und den Tieren“ gemutmaßt hatte: Grundemotionen sind universell.
MikroexpressionenDas sind flüchtige Gesichtsausdrücke, die Sekundenbruchteile dauern. Sie sind zumeist als Ausdruck der sieben universellen Emotionen Ekel, Ärger, Angst, Traurigkeit, Freude, Überraschung, und Verachtung beschrieben. Mikroexpressionen können willentlich nur schwer unterdrückt werden. Menschen, die gute Beobachter sind, können Lügner anhand von Mikroexpressionen entlarven - auch lassen sich Zeitlupenaufnahmen des Gesichts verwenden.
In der Praxis gut zu gebrauchenMikroexpressionen zu erkennen, bringt viele Vorteile in allen Bereichen im Umgang mit Menschen, hier einige Beispiele:
• Als Coach / Psychotherapeut
Sie schärfen die Wahrnehmung dafür, welche Emotionen die Klienten/Patienten bewegen und wo Ansatzpunkte für einen erfolgreichen Veränderungsprozess sind. Anhand der emotionalen Signale in der Mimik kann auf wissenschaftlicher Basis der Erfolg überprüft werden.
• In der Mitarbeiterführung
Es wird gesehen, wie die Mitarbeiter Entscheidungen auf emotionaler Ebene aufnehmen. Der Blick für die Stimmung im Team und die Gefühle Einzelner wird geschärft. In Bewerbungsgesprächen wird besser erkannt, ob der Bewerber auch die Wahrheit sagt.
• In Kundengesprächen
Die emotionale Wirkung wird präzise erkannt, die bei den Kunden durch die Präsentation erzeugt wird – es kann im Bedarfsfall gegengesteuert werden. Es wird gesehen, ob der Kunde einen realen Einwand hat oder nur einen vorgeschobenen Vorwand liefert.
• In der Partnerschaft
Es wird schneller gesehen, wie der Partner sich wirklich fühlt und es kann noch besser darauf eingegangen werden. Es wird erkannt, wann sich ein Streit anbahnt und es kann entschieden werden, ob das Gespräch besser erst dann fortgesetzt werden sollte, wenn sich die Stimmung beruhigt hat.
• In der Familie
Es wird gesehen, wie die Kinder sich wirklich fühlen, wenn sie zum Beispiel sagen, dass es in der Schule schön war. So können die Kinder besser ermutigt werden, zu lernen, ihre Gefühle auszudrücken. Und es wird erkannt, wann es besser ist, ihnen ihre Privatsphäre zu lassen.
Wer mehr über den Forscher Paul Ekman wissen möchte, hier seine Website:
KlickEin Buch von ihm: Gefühle lesen – hier mehr dazu:
KlickEin Video auf Youtube, das die 7 Grundemotionen erklärt:
KlickRoland Börck